2174nm bis Faial (Horta)
Die Tankstelle liegt in einem kleinen Kanal durch den man in die Lagune gelangen kann. Nach etwa einer Stunde in der Warteschlange sind wir an der Reihe. Wie immer haben wir Leinen und Fender gut vorbereitet und Kai steuert den Anleger sauber. In gemeinsamer Abstimmung bringe ich eine Achterspring aus und der noch leicht verkatert wirkende Tankwart steht etwas demotiviert mit seinen Anweisungen am Rande.
Mit nun vollen Dieseltanks geht es in die Durchfahrt zwischen St. Martin und dem zu Großbritannien gehörenden Anguilla. Hoch am Wind kommen wir gut voran. Nach zwei Stunden taucht an Backbord ein Wal auf und bläst zweimal bevor er wieder abtaucht. Später springt noch ein großer Wal bei der Jagd fast senkrecht aus dem Wasser und eine Familie mehrerer Wale zieht an uns vorbei.
Die neuen Schoten laufen gut und es fühlt sich auch richtig an wieder unterwegs zu sein. Gegen Sonnenuntergang dreht sich das Gefühl ein wenig. Einer der Schläuche des hydraulischen Autopiloten ist geplatzt und etwas Hydraulikflüssigkeit ist ausgetreten, das heißt der Autopilot arbeitet nicht mehr. Das ist nun mal eine schwierige Entscheidung. Zurück nach St. Martin ginge jetzt noch relativ leicht, spätestens morgen Vormittag wären wir wieder in der Bucht, aber wir würden vermutlich eine Woche verlieren. Bei ausreichend Wind können wir uns auf unseren Herrn Förthmann, die Windfahnensteuerung, verlassen. Bei Flaute und Motoren ist das schwieriger und bei großen Mengen Seegras erst recht
Wind werden wir erst einmal mehr als genug haben, da gerade ein kleines Sturmtief über die nördliche Karibik zieht. Begleitet von Blitzen, Böen und Starkregen segeln wir durch die Nacht. Als würde das nicht reichen, steigt das Radar mit einer Fehlermeldung aus. Den Fehler muss ich in Ruhe später suchen, da es vermutlich ein schlechter Kontakt ist.
Zum Abend hin wird es kühler. Wir greifen instinktiv zu langen Ärmeln, sehr ungewohnt.
Ein Boot kommt uns entgegen, aufgrund der Maße am ehesten ein Katamaran. Drei große Segelboote von 19, 50 und 64m Länge überholen uns in mehreren Meilen Abstand. Ihre Besitzer möchten sie sicher zur Sommersaison wieder in Europa haben.
Es schüttet wie aus Eimern. Wir buchen die Bootswaschanlage mit Entsalzung, einmal Vollwaschgang, dann beginnt der Dauerregen mit Winddrehern um 180° und im Kern des Tiefs dann auch ein paar Stunden Flaute bei kurzen heftigen Wellen.

Mit einem Segeltörn von über einem halben Jahr Dauer haben wir zwar viel mehr Zeit als die meisten zuhause in Deutschland, aber auch unser halbes Jahr strebt dem Ende zu. Daher müssen wir beim Komfort des Wetters auch gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Das soll heißen, durch dieses kleine Tief müssen wir durch, um unsere pünktliche Heimkehr zu gewährleisten.

Irgendwann ist es aber auch für uns zu bunt. Bei bis zu 30kt Wind aus drehenden Richtungen entscheiden wir für den Rest der Nacht beizudrehen und segeln mit Sonnenaufgang weiter.
