Heute sind wir schwer beschäftigt, na ja eigentlich schon gestern und gedanklich auch in der Nacht. Der Außenbordmotor unseres Dinghi geht aus, wenn wir den Gang einlegen. Da wir im Ankerfeld vor der Marina liegen, ist das Dinghi sozusagen unsere Nabelschnur an Land und vor allem in der Karibik wird es essentiell sein. Es ist klar, unsere Abfahrt ist verschoben bis wir eine Lösung gefunden haben.

Natürlich haben wir auch Riemen an dem Dinghi und können rudern, das ist aber mehr eine Maßnahme für den Notfall. Wenn mehrere Fahrten hintereinander anstehen um z.B. die Tanks der Stoïste mit Diesel zu füllen und jeweils zwei volle 20l Kanister zu transportieren sind, die zuvor ins Dinghi getragen werden wollen, fällt diese Option schnell aus. Einen Weg zum Boot hat Philipp die Riemen zum Einsatz bringen müssen, glücklicherweise mit dem Wind.
Der Motor wird Schritt für Schritt in alle Einzelteile zerlegt. Wir heben ihn dazu an Bord ins Cockpit und versuchen trotz der Schiffsbewegungen zu vermeiden, dass etwas herunter fällt und herumkullert. Erst haben wir gedacht, es sei ein mechanisches Problem, da es stets beim Einkuppeln auftrat und haben das Getriebeöl gewechselt. Getriebeöl zu kaufen ist hier nicht so einfach, die Infrastruktur ist nicht mit unserer vergleichbar. Letztlich haben wir es gestern nach Ende der dreistündigen Mittagspause an der Tankstelle erwerben können. Beim Austausch des Öls konnten wir keine Späne oder Verunreinigungen feststellen und da es etwas aufwendiger ist das Getriebe zu zerlegen, haben wir es dabei belassen.

Als nächstes wenden wir uns dem Vergaser zu. Diesen können wir austauschen, da wir Ersatz dabei haben. Das Problem lässt sich damit allerdings nicht beheben, wäre ja auch zu schön gewesen. Wir gehen systematisch alle Fehlerquellen (sind ja nur Spritzufuhr, Luftzufuhr und Zündung) durch, versuchen auszuschließen und einzugrenzen, lesen nach, probieren aus und holen uns Rat bei unseren Freunden Jan und Ben, die uns als bootsaffine Zweiradmechaniker in Jan´s Radland per Videokonferenz eine sehr gute Diskussionsgrundlage bieten. Wie es immer so im Leben ist: frag drei Leute und es gibt vier Meinungen, arbeiten wir danach weiter an unserer Liste der Fehlerquellen. Zwischendrin heben wir den Motor immer wieder ins Dinghi und bringen ihn dort an, um ihn laufen zu lassen und zu sehen ob wir das Problem behoben konnten. Der Tag vergeht dabei ziemlich schnell.

Ein klitzekleines Krümelchen Dreck im Vergaser hat uns ein Bein gestellt. Nachdem wir es entfernt haben, kann Philipp direkt mehrere Runden ums Boot drehen und alles ist wieder gut. Yeah!

