16. Tag auf See 601nm bis Grenada letztes Etmal 99nm Richtung Ziel
Der Tag beginnt mit den Nachrichten der letzten Nacht. Das eine Land ist in ein anderes fremdes eingedrungen und hat den dortigen Präsidenten entführt. Nicht, das dieses uns aus Bananenrepubliken durchaus bekannt ist, aber eigentlich hätte man diese Bezeichnung weder auf das eine noch anderen Land angewandt. Die Zeiten scheinen sich zu ändern. Leider weiterhin nicht zum Guten.
Was heißt das für uns? Erst einmal nichts, denn wir hatten unser Ziel Trinidad und Tobago ja schon wegen des schwelenden Konfliktes aufgegeben und Grenada für den Landfall ausgesucht. Nun wurde von dem Land im Norden per Notam eine Flugverbotszone ausgerufen. Es handelt sich hier um internationalen Luftraum und weitab der eigenen Hoheitsgebiete, aber das scheint den unkomischen Herrscher aus dem Norden nicht zu stören. Bis zu meinem Rückflug, in etwas mehr als drei Wochen, sollte das sicher kein Thema mehr sein. Ein ungutes Gefühl bleibt aber leider dennoch.

Zum Frühstück gibt es die letzten beiden Eier. Sie schmecken weiterhin wunderbar, auch wenn sie von unseren eigenen Hühnern stammen und entsprechend lange gelagert wurden.

Heute haben wir auch die letzte Banane gegessen, die letzte Birne war schon vor ein paar Tagen fällig. Übrig sind noch zwei kleine Äpfel, sechs Tangerinen und fünf Orangen.

Es wird wohl allmählich Zeit anzukommen. Das sagt auch der Bestand beim Gemüse: ein kleiner Hokkaido-Kürbis, zwei Knollen Rote Bete und zwei Möhren. Nicht, dass wir schlecht versorgt sind, der Rest steckt halt in Gläsern oder Dosen. Wir loten neben den Bedingungen zum Einklarieren auch die Möglichkeiten aus Lebensmittel einzukaufen.
Am Abend fühlen wir uns plötzlich umzingelt. Ein großer Fischer vor uns, ein großer Fischer hinter uns und neben uns ein Tanker. Alle mit ordentlich Abstand, aber so viele Schiffe auf einem Haufen haben wir seit Mindelo nicht mehr gesehen. Die Trawler mit ihren 28m Länge fahren unter der Flagge von Belize, einem dem Commonwealth angehörenden Staat Südamerikas.

Wir schicken einen lieben Gruß aus Dortmund. Jedes Jahr zu Weihnachten dasselbe schlechte Gewissen euch keine Karte geschrieben zu haben. Und jetzt das: Visionen hattet ihr schon damals, als wir zusammen den Bootsführerschein gemacht haben, aber nur die wenigsten setzen sie auch um. Wir wünschen euch eine tolle Zeit mit schönen unvergesslichen Momenten!
Liebe Grüße Guido und Steffi Plicht
Hallo Ihr lieben Plichts,
macht euch kein schlechtes Gewissen. Wir haben Spaß daran die Karte zu schreiben ohne Gegenleistung und freuen uns über den Kommentar.