Der Tag beginnt mit freiem Blick auf den Atlantik in Richtung des Sonnenaufgangs.

Vor der Abfahrt schnorcheln wir noch einmal die Ankerkette entlang bis zum Anker und rund um das Boot. Das Wasser ist weiterhin herrlich und die Unterwasserwelt ebenso.

Wir treffen auf einen Barracuda im Schatten unter dem Boot, einige Schildkröten mal zu zweit oder einzeln, mehrere Kofferfische, einen Amerikanischen Stachelrochen und noch viel mehr Fische. Die Unterwasserwelt ist vielfältig und schlichtweg beeindruckend.


Heute sind wir die glücklichsten Menschen, denn wir sind mit dem Leben davon gekommen und unser Boot ist heile geblieben. Ein „kleiner“ Katamaran von 20 x 10m und entsprechender Tonnage ist auf gleichem Kurs wie wir unterwegs, jedoch eindeutig schneller. Erst sah es so aus als wollte er uns überholen, dann hat er aber genau auf uns zugehalten und ist immer näher gekommen. Anders als im Strassenverkehr gibt es auf See keine Verkehrsschilder, jedoch durchaus eindeutige Verhaltensregeln. Derjenige, der überholt, hält Abstand, gefährdet den anderen nicht und nimmt ihm auch nicht den Wind aus den Segeln. Derjenige, der überholt wird, hält den Kurs, damit das Manöver vorhersehbar ablaufen kann. Und wie im Straßenverkehr auch gibt es aufmerksame Fahrer und diejenigen, die sich mit anderen Dingen beschäftigen und nicht auf die Umgebung achten. Auf so jemanden sind wir heute gestoßen. Wir können jetzt jede noch so kleine Laminierkante der GFK-Rümpfe problemlos nachzeichnen, so nah war die Reve Bleu an uns dran. Alles Winken und rufen ist wirkungslos verpufft, wir konnten gerade noch abdrehen, um eine Kollision zu vermeiden und können nun sagen, dass unsere Herzfrequenzvariabilität ausreichend vorhanden ist.
Vor und nach diesem Aufreger segeln wir eine Tagesetappe von 33nm. Das ist ein Unterschied zu den letzten Tagen an denen wir Etmale von 12nm erreicht haben. Auf dem Weg über den Atlantik haben wir 100nm plus x gesegelt, weil wir nicht über Nacht in einer Bucht geankert haben so wie jetzt.
Unterwegs sehen wir immer wieder Schwärme von Seevögeln, die sich kreisend über der Wasseroberfläche zusammengefunden haben. Wir vermuten, dass sie Fischschwärmen folgen und sich an diesen Stellen einfacher versorgen können.

Ein einzelner Vogel nutzt den Aufwind und den Schatten, den unser Boot liefert und stößt immer wieder unter die Wasseroberfläche um Fisch zu fangen. Ob er erfolgreich ist, können wir nicht sehen, beeindruckend ist er allemal.

In der Nacht bleiben wir in der Princes Margaret Bay (offiziell Chateaubelair Bay) vor Bequia.
