Das Brot ist angesetzt und muss noch gehen. Bevor es abgebacken ist, gibt es karibisches Frühstück.

Heute sind wir früh dran um auszuklarieren. Der Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde ist alles andere als erfreut beim Spiel auf dem Smartphone gestört zu werden. Solche Reaktionen sind wie Regenwetter, man kann sie sowieso nicht ändern, warum also sollte man sich ärgern? Wir füllen alle sechs Durchschläge ordnungsgemäß aus, verlassen dazu auf Anweisung das Büro, starten freundlich einen neuen Versuch und erhalten den benötigten Stempel.

An der Tankstelle am Dock erkundigen wir uns zu den Zollformalitäten, da Yachten vor ihrer Ausreise zollfrei tanken können. Die Abgabe des Diesels muss im Vorhinein genau beziffert werden. Diese Angabe können wir nicht machen, da wir nicht konkret sagen können ob wir 98 oder 107l oder in der hiesigen Angabe 24 oder 25 Gal tanken werden. Der Unterschied beträgt 11 XCD-Cent/l umgerechnet 4 €-Cent/l und der Mitarbeiter des Zolls ist heute nicht in dem Büro an der Tankstelle zugegen. Daher verzichten wir auf den bürokratischen Aufwand und gehen nur mit den Ausreisepapieren an das andere Ende der Bucht in den offiziellen Hafen. Auch hier erhalten wir nur gegen Gemurre den offiziellen Stempel.

Unterwegs entdecken wir allerlei Dinge.



Zurück in der Bucht warten wir die Mittagspause des Tankwarts ab und verpassen das Ende, da die Nachmittagsschicht den Schlagladen nicht öffnet, der als Signal dient. Als wir das bemerken liegt schon länger eine andere Yacht am Tankdock. Wir fahren mit dem Dinghi hin um nachzufragen ob der Steg wieder frei wird, da die Yacht dorthin geschleppt wurde und dürfen als nächste anfahren. Bis wir zurück an Bord sind und das Dinghi verstaut haben, fährt ein weiteres Schiff die Tankstelle an. Kurz vor Feierabend schaffen wir es doch noch unsere Tanks zu füllen.
Solche kleinen Alltagsschwierigkeiten sind nichts gegenüber dem was in der Bucht immer noch zu sehen ist. Die Inseln im Süden der Kleinen Antillen gelten unter Seglern als guter Ort um in der Hurrikansaison von Juli bis November in Deckung zu gehen. Der letzte Hurrikan, der so weit südlich entlangzog, war Ivan im Jahr 2004. Am 01. Juli 2024 liegt das Auge des Hurrikans Beryl genau über Carriacou und fegt mit 240km/h innerhalb einer halben Stunde alles von der kleinen Insel. Häuser werden abgedeckt oder komplett abgetragen, Bäume entwurzelt, Autos zerstört und Schiffe auf den Strand oder die Riffe geblasen. Viele Existenzen sind mit einem Mal bedroht. Wir sehen viele Häuser, die mit Planen als Dach gedeckt sind. Andere Häuser sind aufgegeben. Viele Yachten in der Bucht liegen ohne Mast dort, andere sind an der Küste zerschellt. Die Menschen auf den Straßen sind trotzdem freundlich und offen. Gejammer ist nirgends zu hören.

Auf dem Weg aus der Bucht verabschieden wir uns winkend von der SY Margna, die wir hier nochmals getroffen haben.
